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Dummbatz

Was ist ein Kassen Patient wert?

Ich hatte eine Operation am linken, rechten Knie. Beim linken Knie verlief es wie erwartet. Nachbehandlung, abschließende Bewegungstherapie, hatte ich in meiner Nähe. Bei meinen rechten Knie war es ganz anders. Man nannte es medizinische Reform, beim zweiten Knie ist es halt anders und anderer Bullshit.

Ich wachte aus der Narkose auf, hatte furchtbare Schmerzen. Der Arzt meinte nur ich hätte schon Schmerzmittel am Limit. Aha ich war gerade aufgewacht, wußte nichts davon Schmerzmittel bekommen zu haben. Bei der Stenoskopie konnten die abgetragenen Teile des Innenknies nicht durch die dünnen Rohre entfernt werden. Also zog man diese Chirurgen Lanzen aus dem Knie und schnitt es auf. Es ist natürlich unnötig dieses dem Kassen Patienten mal mitzuteilen. Noch bevor ich aufwachte, hatte man mich also mit Schmerzmittel vollgepumpt, da man offensichtlich genau wußte, das würde ich brauchen, weil etwas nicht glatt verlaufen ist. Als man nach 15 Minuten festgestellt hatte, das ich noch lebe, kam der Krankentransport nach Hause.

So ein Stuhl mit Tragestöcken dran. Man sitzt wie ein Affe auf dem Schleifstein, hält sein frisch operiertes Knie selbst und wird Treppen herunter getragen, weil das Ganze nicht in den Fahrstuhl paßte. Was meine Schmerzen nur schlimmer machte. Zu Hause einigten wir uns darauf, man stütze mich nur und zusammen hüpfen wir die Treppen zu meiner Wohnung hoch. Das ich für die nächsten Tage keine Haushaltshilfe hatte, ist bei Kassen Patienten wohl auch üblich. Hatte ich vorher beantragt, auf Fragen erhielt ich keine Antwort. Am nächsten Tag hoppelte ich mit Rucksack, Wundschlauch im Knie, mit dem Beutel dazu am Gürtel in den Supermarkt.

Der Hinweg war anstrengend, aber mit vollem Rucksack noch Treppen zu meiner Wohnung hoch, war dann schon sehr anstrengend. Zur Nachbehandlung durfte ich mit öffentlichen Verkehrsmittel irgendwo in der Stadt zum Ärztezentrum fahren. Krankentransport, wenn man dazu zahlt. Taxi wenn überhaupt erhält man nur wenig ersetzt. Bei Öffentlichen bekommt mal 100% ersetzt und glaubt ja nicht das der Taxifahrer beim Einsteigen hilft, der bleibt schön sitzen. Wenn man Glück hat wird der Wundschlauch aus dem Knie gezogen. Wenn nicht wird ein neuer Schlauch ins rohe Fleisch gedrückt. Betäubung braucht der Kassen Patient ja nicht, der kann das schon ab.

Am nächsten Tag lag ich (allein) in der Wohnung am Boden auf dem Rücken. Nebenwirkung von Schmerzmittel. Mein Knie tat weh, juckte gemein und ich hatte einen Lachkrampf. Am Ende juckte mein Knie noch fieser, tat noch mehr weh und ich hatte einen Bauchmuskelkater. Ich weiß nicht ob ich die Nacht so auf dem Boden liegend verbracht habe. Viele Ärzte sind betrübt darüber, das sie ihre Patienten nicht so behandeln können, wie sie es für richtig halten und gelernt haben, weil sie von der Pharmaindustrie an der kurzen Leine gehalten werden. Wer aufmuckt verliert seine Zuschüsse, auf welche die meisten Ärzte angewiesen sind.

Die Nähte wurden schließlich gezogen, die Bewegungstherapie ersatzlos gestrichen. Professor: "Sie sind jung, das können sie ja wohl selbst machen." Ich schnallte am nächsten Tag die Krücken ans Fahrrad und fuhr 30 Minuten zu meiner damaligen Selbsthilfegruppe, wo man nicht schlecht staunte. Wie kann man mit so einem Knie Fahrradfahren? Der Kassen Patient kann das, was bleibt ihm auch anderes übrig?

Heute überlege ich dreimal ob ich zum Arzt gehe, erst recht wenn ich operiert werden muß. Man ist doch heute nur noch Patient dritter Klasse, wo die aktive Sterbehilfe kein Thema von legal oder Menschlichkeit ist. Man sträubt sich doch nur dagegen, damit der Kassen Patient nicht merkt, das er keineswegs nach den medizinischen Möglichkeiten behandelt wird. Nur so viel, wie unbedingt nötig. An dieser Stelle vielen Dank an die Krankenkasse, Medizin für die tolle Hilfe. Na wenigstens sind beide Knie heute in bester Ordnung, allein das zählt für mich. Was kann man schon bei einer Mehrklassen Medizin erwarten!? Sie ist doch nur eine andere Form von Rassismus.

Ich bin ja sicher kein Einzelfall, aber weil sich jeder Kassen Patient das gefallen läßt, weil er keine Ahnung hat, was längst in der Medizin machbar ist, kann ich daran auch nichts ändern, mal anständig behandelt zu werden. Dabei läßt sich im Internet nachvollziehen auf welche niederträchtige Weise die Pharmaindustrie operiert. Da fragt man noch, warum so wenige Leute heute zum Arzt gehen.

"Die oftmals kodierten Zusätze auf der Krankenkassen Karte sind in etwa das, was Chefs (in ihrer Geheimsprache) untereinander über Arbeitnehmer austauschen, die sich dann wundern, warum sie den Job nicht kriegen. Bei Kassen Patienten oder besser für den Arzt heißt das, die Behandlung sollte nicht mehr als unbedingt nötig ausfallen. Oftmals wird es für den Kassen Patienten lebensbedrohend, die Folgen wegen sparsamer Behandlung, oder weil man zum Testen von noch nicht zugelassenen Medikamenten unwissentlich missbraucht wurde."... [Melden]


Kommentare (3)

hc130
★★★★

Mitglied [827]

Hallochen Dummbatz ;-)))

Es stimmt. Ein Kassenpatient wird niemals eine Gleichstellung wie ein Privatpatient erfahren. Das Problem fängt ja schon bei der Vergütung der Leistung, die ein Arzt entweder am Kassen- oder P-Patienten erbringt, an.

Warum wird in einem "Sozialstaat" mit zweierlei Maß gemessen für ein und dieselbe Leistung?

Wenn du dich als Kassenpatient nicht selber um deine Rechte, die dir zustehen, kümmerst, wirst du einfach mal dumm sterben.

Es gibt nicht umsonst die Pflegekasse. Du hättest also tatsächlich für die Zeit eine Haushaltshilfe beantragen können.

ABER !!! Das ist ein Kampf auf Leben und Tod und geht einher mit Ablehnungen der Kassen und Widersprüchen des Patienten.
Bis dahin bist du entweder schon wieder gesund oder an einer Sepsis gestorben.

Heißt: Beantragen kannst du fast alles, aber es ist ein Kampf. Und wer nicht die Nerven dazu hat - das ist die Mehrzahl der Patienten, leider - hat schon verloren.

Tja, das ist unser "Sozialstaat". Hast du Knete, kriegst du alles.

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https://m.youtube.com/watch?v=wNthWVdonto

Max

Uh oh ... wehe dem, der als gesetzlich Versicherter Marathonläufer zum Orthopäden muss. Der kann sein Hobby ganz sicher an den Nagel hängen, da kann ich im eigenen Umfeld berichten, der Knieprobleme beim Laufen hatte. Anzahl besuchter verschiedener Arztpraxen: locker zweistellig, Zeitraum: viele Jahre, Ergebnis: immer wieder wurde behauptet, Schuheinlagen wären notwendig, wo man natürlich selber zuzahlen soll, aber gebracht haben die: Null. Und: als armer Schlucker muss man wochenlang warten, um dann im Wartezimmer Leute kommen zu sehen, die dann schneller dran kommen. Achja, die Ärzte-Bewertungsportale sind total für die Tonne.
Und wer denkt, bei den Reichen wäre die Welt in Ordnung: Nein, als reicher Sack inner privaten läuft man dafür Gefahr, Behandlungen und gar OPs aufgebrummt zu kriegen, die gar nicht notwendig sind. Wo viel zu holen ist, ist man wie ein Geier auf der Lauer, wo möglich, auch das letzte Geldscheinchen abzugreifen.
Das Gesundheits-System ist einfach voll fürn Arsch, für Arm und Reich. Ja, Superreich muss man sein, um hier eine anständige Behandlung zu kriegen.

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Dieser Kommentar wurde gelöscht, da er gegen die Regeln dieser Seite verstieß oder nicht zum Thema passte: Geschrieben von Havingert1992 am 03.09.2018, 05:01 Uhr.

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